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Berufliches Qualifizierungsnetzwerk für Migrantinnen und Migranten in...

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Gute Praxisbeispiele im „Übergang Schule/Beruf“ aus OWL

Auf der Fachtagung des „Beruflichen Qualifizierungsnetzwerkes zur Förderung der Chancengleichheit von Jugendlichen mit Migrationshintergrund (BQN OWL)“ wurden beispielhafte Projekte aus Ostwestfalen-Lippe vorgestellt.

Annähernd einhundert Personen waren am Mittwoch, den 20. April, in die Fachhochschule für Elektro- und Informationstechnik gekommen, um sich über Möglichkeiten der arbeitsmarktpolitischen Integration im Übergang von der Schule in den Beruf zu informieren.

Bereits in seinem Grußwort hob der Beauftragte für Zuwanderung und Integration der Bezirksregierung Detmold, Jörg List, die Wichtigkeit des Austausches hervor, denn in Ostwestfalen-Lippe suchen annähernd 7000 Jugendliche einen Ausbildungsplatz, denen aber nur rund 3000 Ausbildungsplätze gegenüber stehen. Sein Fazit: „In diesem Konkurrenzkampf beim Übergang ins Berufsleben haben Jugendliche mit Migrationshintergrund oftmals das Nachsehen.“

Diese Aussage aufgreifend beleuchtete Christiane Bainski, Leiterin der RAA Hauptstelle in Essen, anhand statistischer Erhebungen, warum besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger zu den Opfern der aktuellen Ausbildungsmiesere gehören.

„Wir sind auf dem Weg in die Wissensgesellschaft. Im Jahr 2020 werden nur noch 10 % in Berufen arbeiten, die keine oder nur eine geringe Ausbildung erfordern. Gleichzeitig kommen Jugendliche mit Migrationshintergrund häufig aus bildungsfernen Familien und haben keinen oder niedrige Schulabschlüsse. Die Bundesrepublik ist das Land, dass im Bezug auf die schulische Laufbahn der Jugendlichen die soziale Herkunft am wenigsten ausgleicht“. Mit Blick auf die demographische Entwicklung, die den Anteil dieser Gruppe noch erhöhen wird, resümierte sie: „Das können wir uns nicht leisten.“ Im Bezug auf das Bildungssystem erläuterte Frau Bainski, dass es versäumt wurde, frühzeitig zu akzeptieren, ein Einwanderungsland zu sein und das deshalb auch keine, oder unzureichende Maßnahmen ergriffen worden sind, um auf die sich ändernde demographische Entwicklung einzuwirken.

An Ländern wie Kanada oder Finnland zeigt sich aber, dass diese Entwicklung nicht zwangsläufig so sein muss. Insbesondere die Sprachförderung, das hat PISA gezeigt, wird in diesen Ländern viel stärker gefördert und die Mehrsprachigkeit als besondere Kompetenz gesehen. Eine ihrer zentralen Forderungen: „Interkulturelle Kompetenz und Mehrsprachigkeit muss in die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer einfließen. Dies ist bisher nicht geschehen.“

Im zentralen Abschnitt der Fachtagung stellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus vier Projekten vorbildliche Konzepte und konkrete Beispiele der arbeitsmarktpolitischen Integrationsarbeit aus der Region vor. Im Focus stand dabei, wenn auch nicht ausschließlich, die Förderung von Zugewanderten und Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf der Schwelle zwischen Schule und Beruf.

testAls erste stellte Imke Rademacher den „Berufsparcours des Technikzentrums Minden-Lübbecke“ anhand des anstehenden „Girls Day 2005“ und eines filmischen Beitrag der „WDR – Lokalzeit“ vor und erläuterte, wie dieses niedrigschwellige Angebot Jugendliche auf ihnen bisher nicht oder wenig bekannte Ausbildungsberufe aufmerksam macht. In diesem Zusammenhang machte Frau Rademacher darauf aufmerksam, dass der diesjährige „Girls Day“ unter dem Motto „Zukunft in Vielfalt“ besonders Migrantinnen gezielt ansprechen soll.

Tülay Zengingül, Projektleiterin des Patinnennetzwerkes „Migrantinnen unterstützen Migrantinnen (MuM)“ hob besonders den bisher einmaligen Vorbildcharakter des Projektes hervor, indem die ausschließlich ehrenamtlichen Patinnen mit Migrationshintergrund Schülerinnen bei der Berufswahl und der Suche nach einen Ausbildungs- oder Studienplatz konkrete Hilfestellungen bietet.

Mit sehr plastischen und konkreten Beispielen erläuterte die Beratungslehrerin Ursula Heywinkel die engagierte Arbeit des Bielefelder Schulprojektes „SCHUPS (Schule und Praktikum für Sieker Schüler)“ und stellte die bisher erreichten Erfolge bei der Eingliederung in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt durch die Kooperation mit lokalen Betrieben in den Mittelpunkt. 

Olaf Simon vom Regionalen Bildungsbüro des Kreises Herford präsentierte das pädagogische Konzept Assessmentanalyse als Instrument der stärkeorientierten Potenzialanalyse an Schulen im Kreis Herford. Ziel dieser Methode ist es, die Qualität der schulischen Arbeit zu verbessern.

In den anschließenden Arbeitsgruppen wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachtagung durch die Möglichkeit geboten, durch gezielte Nachfragen die unterschiedlichen Projekte näher kennen zu lernen und deren Ausweitung oder Übertragbarkeit zu erörtern.

Fotos: Birgit Ebel & Eva Habig

   

Die Ergebnisse aus den Diskussionen wurden im abschließenden Plenum dem interessierten Fachpublikum präsentiert.

   

Stand April 2005

Stand Oktober 2004

Stand Juni 2004