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Berufliches Qualifizierungsnetzwerk für Migrantinnen und Migranten in...

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Protokoll zur Fachtagung „Gute Praxisbeispiele im Übergang Schule/Beruf aus OWL“ des Beruflichen Qualifizierungs-Netzwerk Ostwestfalen-Lippe (BQN OWL) am Mittwoch, den 20.04.05 in der Fachhochschule für Elektrotechnik und Informationstechnik, Bielefeld.

Annähernd einhundert Personen waren am Mittwoch, den 20. April, in die Fachhochschule für Elektro- und Informationstechnik gekommen, um sich über Möglichkeiten der arbeitsmarktpolitischen Integration im Übergang von der Schule in den Beruf zu informieren. Dipl. - Ing. Cemalettin Özer, Projektleiter von BQN OWL ging in seiner Einführung zuerst auf den geplanten Ablauf der Fachtagung ein und machte auf die Inhalte der ausgehängten Tagungsunterlagen aufmerksam. Danach begrüßte Prof. Dr. rer. nat. Bernd Schumacher als Dekan der FH Bielefeld die Gäste in den Räumlichkeiten der Fachhochschule.

Es folgte das Grußwort des Beauftragten für Zuwanderung und Integration der Bezirksregierung Detmold, Jörg List, der bereits in seinem Eingangsstatement die Wichtigkeit des Austausches der anwesenden und interessierten Fachleute und Multiplikatoren zum Thema machte.

Anhand aktueller Statistiken der Bezirksregierung führte er aus, dass in Ostwestfalen-Lippe annähernd 7000 Jugendliche einen Ausbildungsplatz suchen, denen aber nur rund 3000 offene Ausbildungsplätze gegenüber stehen. Sein Fazit: „In diesem Konkurrenzkampf beim Übergang ins Berufsleben haben Jugendliche mit Migrationshintergrund oftmals das Nachsehen.“ Zu den Gründen führte er aus, das der überproportionale Anteil von Jugendlichen ohne oder mit geringen schulischen Qualifikationsabschluss zu dieser Lage beitrügen. Herr List sah in diesem Zusammenhang strukturelle Defizite bei der Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Zusammenhang mit ihrem schulischen Werdegang und thematisierte auch die gesellschaftlichen Kosten, die sich daraus ergeben, dass die Vermittlung in einen Ausbildungsplatz als wichtigsten Integrationspunkt scheitern. Zum Abschluss wünschte er dem Verlauf der Veranstaltung viel Erfolg und erhoffte sich interessante Impulse und Anregungen auch für seine eigene Arbeit.

Dem Grußwort von Jörg List folgte ein Impulsreferat von Christiane Bainski, Leiterin der RAA Hauptstelle Essen, die anhand aktueller statistischer Erhebungen noch detaillierter beleuchtete, warum besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger zu den Opfern der aktuellen Ausbildungsmiesere gehören.

Dem Grußwort von Jörg List folgte ein Impulsreferat von Christiane Bainski, Leiterin der RAA Hauptstelle Essen, die anhand aktueller statistischer Erhebungen noch detaillierter beleuchtete, warum besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger zu den Opfern der aktuellen Ausbildungsmiesere gehören.

„Wir sind auf dem Weg in die Wissensgesellschaft. Im Jahr 2020 werden nur noch 10 % in Berufen arbeiten, die keine oder nur eine geringe Ausbildung erfordern. Gleichzeitig kommen Jugendliche mit Migrationshintergrund häufig aus bildungsfernen Familien und haben keinen oder niedrige Schulabschlüsse. Die Bundesrepublik ist das Land, dass im Bezug auf die schulische Laufbahn der Jugendlichen die soziale Herkunft am wenigsten ausgleicht“. Mit Blick auf die demographische Entwicklung, die den Anteil dieser Gruppe noch erhöhen wird, resümierte sie: „Das können wir uns nicht leisten.“ Im Bezug auf das Bildungssystem erläuterte Frau Bainski, dass es versäumt wurde, frühzeitig zu akzeptieren, ein Einwanderungsland zu sein und das deshalb auch keine, oder unzureichende Maßnahmen ergriffen worden seien , um auf die sich ändernde demographische Entwicklung einzuwirken. So hat sich der Anteil von niedrigen Bildungsabschlüssen bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund seit den 80er Jahren nicht wesentlich geändert und auch die Abschlüsse mit der Hochschulreife – obwohl zwischenzeitlich ansteigend – stagnieren seit den 90er Jahren bei dieser Gruppe.

An Ländern wie Kanada oder Finnland zeigt sich aber, dass diese Entwicklung nicht zwangsläufig so sein muss. Insbesondere die Sprachförderung, das hat PISA gezeigt, wird in diesen Ländern viel stärker gefördert und die Mehrsprachigkeit als besondere Kompetenz gesehen. Eine ihrer zentralen Forderungen: „Interkulturelle Kompetenz und Mehrsprachigkeit muss in die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer einfließen. Dies ist bisher nicht geschehen.“

     

(Das Impulsreferat von Christiane Bainski als Power Point Präsentation als Download )

Im zentralen Abschnitt der Fachtagung stellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus vier Projekten vorbildliche Konzepte und konkrete Projekte der arbeitsmarktpolitischen Integrationsarbeit aus der Region vor. Im Focus stand dabei, wenn auch nicht ausschließlich, die Förderung von zugewanderten und Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf der Schwelle zwischen Schule und Beruf.

Als erste stellte Imke Rademacher den „Berufsparcours des Technikzentrums Minden-Lübbecke“ anhand des anstehenden „Girls Day 2005“ und eines filmischen Beitrag der „WDR – Lokalzeit“ vor und erläuterte, wie dieses niedrigschwellige Angebot Jugendliche auf ihnen bisher nicht oder wenig bekannte Ausbildungsberufe aufmerksam macht und 20 bis 30 Unternehmen unterschiedliche Berufe vorstellen. Anhand von praktischen Beispielen erläutert sie, wie sich Firmen mit relativ geringem Aufwand an einem solchen Berufsparcours beteiligen können. Das Angebot wird zudem sehr gut von Jugendlichen angenommen, was sich auch daran zeigt, dass der geplante Berufsparcours zum „Girls Day“ ist seit Wochen ausgebucht ist. In diesem Zusammenhang machte Frau Rademacher darauf aufmerksam, dass der diesjährige „Girls Day“ unter dem Motto „Zukunft in Vielfalt“ besonders Migrantinnen gezielt ansprechen soll. Für die Zukunft ist ein sogenanntes „Talentarium“ geplant, wo an 300 Stationen unterschiedliche Berufe an einem festen Ort ganzjährig präsentiert werden können. Dafür sind Fördermittel beantragt worden und geplant regionale Unternehmen für dieses Projekt zu gewinnen.

Tülay Zengingül, Projektleiterin des Patinnennetzwerkes „Migrantinnen unterstützen Migrantinnen (MuM)“ hob besonders den bisher einmaligen Vorbildcharakter des Projektes hervor, indem die ausschließlich ehrenamtlichen Patinnen mit Migrationshintergrund Schülerinnen mit Migrationshintergrund bei der Berufswahl und der Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz konkrete Hilfestellungen bieten. Das Gesamtprojekt wird in den Kreisen Herford und Gütersloh und in der Stadt Bielefeld durchgeführt und besteht aus zwei Projektbausteinen:

   

•Ansatz 1: Die IntegrationshelferInnen setzen sich für die soziale Integration aller MigrantInnen in allen gesellschaftlichen Teilbereichen ein.

   

•Ansatz 2: Das Patinnennetzwerk unterstützt junge Migrantinnen bei der berufliche Orientierung.

  

In einem ersten Schritt wird in diesem Zusammenhang der Erstkontakt in der Schulzeit für 8. und/oder 9. Klassen hergestellt. Die Patinnen besuchen die Schülerinnen mit Migrationshintergrund und erläutern den Ansatz und die Inhalte des Projektes. Dabei können durchaus spielerische pädagogische Mittel (bspw. Pantomimespiel) zum tragen kommen, um ein Vertrauensverhältnis zwischen Patinnen und Schülerinnen aufzubauen. In einem zweiten Schritt werden dann die Schülerinnen bei regelmäßigen Treffen (2 bis 3 mal die Woche) während und nach der Schulzeit bei der Berufsorientierung, der Berufswahl oder bei der Suche nach Praktikumstellen unterstützt. Dies kann auch sehr konkret durch persönliche Begleitung, etwa zur Arbeitagentur, laufen. Neben der Hilfestellung spielt dabei der Vorbildcharakter, den die Patinnen für die Schülerinnen haben, eine besonders wichtige Rolle.
(Vortrag von Tülay Zengingül als Power Point Präsentation als Download)

     

Mit sehr plastischen und konkreten Beispielen erläuterte die Beratungslehrerin Ursula Heywinkel die engagierte Arbeit des Bielefelder Schulprojektes „SCHUPS (Schule und Praktikum für Sieker Schüler)“ und stellte die bisher erreichten Erfolge bei der Eingliederung in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt durch die Kooperation mit lokalen Betrieben in den Mittelpunkt.

(Vortrag von Ursula Heywinkel als Power Point Präsentation als Download)

      

Olaf Simon vom Regionalen Bildungsbüro des Kreises Herford präsentierte das pädagogische Konzept „Assessmentanalyse als Instrument der stärkeorientierten Potenzialanalyse“ an Schulen im Kreis Herford. Ziel dieser Methode ist es, die Qualität der schulischen Arbeit zu verbessern.

In den anschließenden Arbeitsgruppen wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Fachtagung die Möglichkeit geboten, durch gezielte Nachfragen die unterschiedlichen Projekte näher kennenzulernen und deren Ausweitung oder Übertragbarkeit zu erörtern.

Die Ergebnisse aus den Diskussionen wurden im abschließenden Plenum dem interessierten Fachpublikum präsentiert.